Schmerzlexikon

Viele Begriffe aus der Schmerzmedizin klingen kompliziert und bleiben oft unklar.
Dabei kann Verstehen helfen, Sicherheit zu gewinnen und den eigenen Schmerz besser einzuordnen.

Dieses Schmerzlexikon erklärt zentrale Begriffe rund um chronische Schmerzen kurz, verständlich und in Alltagssprache.
Es soll dir Orientierung geben, Zusammenhänge aufzeigen und dich dabei unterstützen, informierte Entscheidungen für deinen Weg im Umgang mit Schmerz zu treffen.

Du kannst das Lexikon als Nachschlagewerk nutzen oder einzelne Begriffe in deinem Tempo erkunden – immer dann, wenn du mehr Klarheit brauchst.

A

Akuter Schmerz

Kurzfristiger Schmerz als Warnsignal bei Verletzung oder Entzündung. Er klingt in der Regel ab, sobald die Ursache heilt.

Allodynie

Schmerzempfinden bei eigentlich harmlosen Reizen, z. B. Berührung oder Kleidung auf der Haut.

B

Baseline (bei Graded Activity)

Ausgangsniveau einer Aktivität, das ohne starke Schmerzreaktion möglich ist. Dient als sicherer Startpunkt für den schrittweisen Belastungsaufbau.

C

Chronifizierung

Prozess, bei dem sich Schmerzen oder psychische Belastungen über längere Zeit verfestigen und unabhängig vom ursprünglichen Auslöser bestehen bleiben.

Chronischer primärer Schmerz

Form von chronischem Schmerz ohne klare körperliche Ursache, die mit emotionalem Leiden und Einschränkungen im Alltag verbunden ist.

Chronischer Schmerz

Schmerz, der länger als drei Monate anhält und seine ursprüngliche Warnfunktion verloren hat. Er gilt heute als eigenständige Erkrankung.

Chronischer sekundärer Schmerz

Chronischer Schmerz, der als Folge einer klaren Grunderkrankung entsteht, z. B. bei Arthrose, Nervenschädigungen oder nach Operationen. Der Schmerz bleibt bestehen, obwohl er nicht die eigentliche Hauptdiagnose ist.

D

E

Endogene Schmerzhemmung

Körpereigenes Schmerzbremssystem, das Schmerz ohne Medikamente dämpfen kann, z. B. durch Endorphine.

Endorphine

Körpereigene Botenstoffe mit schmerzlindernder Wirkung, die u. a. durch Bewegung freigesetzt werden.

Explain Pain

Konzept aus der modernen Schmerzforschung, das erklärt, wie Schmerz entsteht und warum Verstehen des Schmerzes selbst zur Linderung beitragen kann.

F

Fear-Avoidance-Modell

Erklärt, wie Angst vor Schmerz zu Vermeidung von Bewegung führt und Schmerzen langfristig verstärkt.

Flair-up

Vorübergehende, übermässige Schmerzreaktion nach Belastung oder Stress.

G

Gate-Control-Theorie

Theorie, dass Schmerzsignale im Rückenmark moduliert werden können – abhängig von Aufmerksamkeit, Emotionen und Bewegung.

Gedächtnisspur (neuronale)

Verstärkte Verbindung zwischen Nervenzellen, die durch Wiederholung entsteht und Inhalte wie Schmerz oder Stress leichter abrufbar macht.

Gedankenspirale

Sich wiederholende Gedankenmuster, bei denen Sorgen oder Schmerzen immer wieder durchdacht werden und sich dadurch verstärken.

Graded Activity

Therapieansatz, bei dem Aktivität schrittweise und unabhängig vom Schmerzempfinden gesteigert wird.

H

Homunkulus (Körperkarte)

Darstellung, wie der Körper im Gehirn abgebildet ist. Diese Karte kann sich bei chronischem Schmerz verändern.

Hyperalgesie

Übersteigerte Schmerzempfindlichkeit auf eigentlich schmerzhafte Reize.

I

ICD-11

Internationale Krankheitsklassifikation der WHO, in der chronischer Schmerz erstmals als eigenständige Erkrankung anerkannt ist.

J

K

Katastrophisieren

Gedankliche Überbewertung von Schmerz („Das wird nie besser“), die das Schmerzempfinden verstärken kann.

Körpereigene Schmerzhemmung

Oberbegriff für alle Mechanismen im Körper, die Schmerz selbst regulieren und reduzieren können, ohne äussere Medikamente.

L

Limbisches System

Teil des Gehirns, der Emotionen verarbeitet und stark an der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist.

M

N

Neuronale Verschaltung

Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn, die sich durch Erfahrung, Wiederholung und Emotion verändern können.

Neuropathischer Schmerz

Schmerz, der durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems selbst entsteht. Typisch sind brennende, elektrisierende oder einschießende Schmerzen sowie Gefühlsstörungen.

Neuroplastizität

Fähigkeit des Gehirns, sich strukturell und funktionell zu verändern – Grundlage für Lernen, aber auch für Schmerzgedächtnis.

Noziplastischer Schmerz

Schmerz, der durch eine veränderte Schmerzverarbeitung im Nervensystem entsteht, ohne dass eine klare Gewebe- oder Nervenschädigung vorliegt. Das Nervensystem reagiert dabei überempfindlich.

Nozizeption

Aufnahme und Weiterleitung potenziell schädlicher Reize durch Schmerzrezeptoren.

Nozizeptiver Schmerz

Schmerz, der durch eine tatsächliche oder drohende Gewebeschädigung entsteht, z. B. bei Verletzungen, Entzündungen oder Überlastung. Er hat eine klare Warn- und Schutzfunktion.

Nozizeptoren

Spezialisierte Nervenendigungen, die auf Druck, Hitze oder chemische Reize reagieren.

O

P

Parasympathikus

Teil des vegetativen Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration und Erholung zuständig ist und vor allem im Schlaf aktiv wird.

Perzeption

Bewusste Wahrnehmung und Bewertung eines Reizes im Gehirn.

Placebo-Effekt

Schmerzlinderung durch positive Erwartung – ohne pharmakologische Wirkung.

Q

R

S

Schlafstörung

Anhaltende Probleme beim Ein- oder Durchschlafen oder mit nicht erholsamem Schlaf, häufig verbunden mit verstärktem Schmerzempfinden.

Schmerzcharakter

Typische Beschreibung eines Schmerzes (z. B. stechend, brennend, diffus), die Hinweise auf den zugrunde liegenden Schmerzmechanismus geben kann.

Schmerzgedächtnis

Gelerntes Schmerzverhalten des Nervensystems, bei dem Schmerz auch ohne aktuelle Gefahr bestehen bleibt.

Schmerzmatrix

Netzwerk mehrerer Hirnareale, die Schmerz, Emotionen und Reaktionen verarbeiten.

Schmerzmechanismus

Die Art und Weise, wie Schmerz im Körper entsteht und verarbeitet wird, z. B. nozizeptiv, neuropathisch oder noziplastisch.

Schmerztagebuch

Hilfsmittel zur Dokumentation von Schmerzverlauf, Auslösern und lindernden Faktoren.

Schmerztagebuch 

Es dient dazu, Schmerzen und relevante Einflussfaktoren wie Schlaf, Stress oder Aktivität regelmässig festzuhalten.

Schmerzverarbeitung

Gesamtheit der Prozesse im Nervensystem, mit denen Schmerzsignale bewertet, verstärkt oder gedämpft werden.

Selbstwirksamkeit

Sie beschreibt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Einfluss auf den eigenen Zustand zu nehmen. 

Stressregulation

Fähigkeit des Nervensystems, zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln. Sie wird durch Schlaf, Bewegung und Entspannung beeinflusst.

Sympathikus

Aktivierender Teil des vegetativen Nervensystems („Stresssystem“), der bei anhaltender Belastung oder Schlafmangel oft überaktiv ist.

T

U

V

Vegetatives Nervensystem

Unbewusst arbeitendes Nervensystem, das innere Abläufe wie Herzschlag, Atmung, Schlaf und Stress steuert.

W

X

Y

Z